Der Wiener Ball in Berlin, diesmal besonders familiär
Abgesehen davon, dass politische Akteure innen- und außenpolitisch momentan wirklich stark beansprucht sind, sieht es nicht so gut aus, wenn ein VIP mit Partner(in) beim Tanzen fotografiert wird, während die Welt aus den Fugen gerät. Das Fehlen von großer Prominenz hat aber auch sein Gutes: Man ist unter sich, man genießt sich selbst und die Begleitung, und jeder ist sein eigener Promi – zumindest für die Partnerin oder den Partner, egal ob mit Orden hochdekoriert oder auch ohne Orden von liebenswürdiger persönlicher Bedeutung. Zusammengefasst: Ein sympathisches, familiäres, entspanntes und trotzdem glamouröses Fest für alle Auslandsösterreicher, die schon so lange in Berlin wohnen, als das Wort ExPats noch nicht geläufig war, und für alle Österreichfreunde mit fremdländischem Reisepass.
Auch diesmal wussten 250 Ballgäste diese Atmosphäre zu schätzen, manche davon sogar aus dem Ausland angereist. Generalkonsul Stefan Hochmuth repräsentierte die österreichische Botschaft, begleitet von seiner Frau Castillia, und er verriet in seiner Eröffnungsrede, dass er diese Rolle das letzte Mal ausübt. Er zieht nach Wien zurück. Werner Götz, Präsident des Auslandsösterreicher-Weltbundes sowie der Österreichisch-Deutschen Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V., begrüßte besonders den aus Wien eingeflogenen Landtagsabgeordneten Denis Šakić. Der 35-jährige SPÖ-Politiker, geboren in Bosnien-Herzegowina, vertrat Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und zeigte, wie sehr die Stadt die Arbeit ehrenamtlicher Helfer zu würdigen weiß, die jedes Jahr einen Wiener Ball organisieren. Für Wien sind solche Bälle weltweit eine wichtige Visitenkarte mit Public-Diplomacy-Effekt. Šakić ist für europäische Zusammenarbeit tätig – sein Ballbesuch in Berlin war gewiss die angenehmste Variante davon. Herr Götz erinnerte auch an die Ursprünge des Wiener Balls, die auf das Jahr 1949 im damaligen West-Berlin zurückgehen. Die diesjährige Ausgabe war bereits der 58. Ball, und die Tradition wird fortgesetzt. Das Datum steht auch schon fest: Man notiere sich den 13. März 2027.
Es wurde freilich nicht nur geredet, sondern vor allem getanzt. Das Berliner Tanzorchester unter der Leitung von Christoph Sanft spielt schon seit drei Jahrzehnten auf. Aus Dresden kamen acht Tanzpaare, die zuvor den Opernball in der Semperoper eröffnet hatten, unter Leitung von Knut Strube und mit viel Eleganz. Am späteren Abend traten die beiden Meisterpaare der Tanzschule Broadway unter der Leitung von Tracy Ehrlich auf und begeisterten mit ihrer Einlage den ganzen Saal des Maritim proArte. Die Mitternachtseinlage bestritten die aus Wien angereisten Künstler Mae Lorelei Raich, Sopran, Jakob Loibl, Tenor, und Erin Varga-Won, Piano, mit einem bunten Musikstrauß aus der Donaustadt, mit dem sie charmant-stimmungsvoll die Wiener Lebensfreude vermittelten. Eine Stunde nach Mitternacht ließ die Showeinlage der Rock’n‘Roll-Paare (unter Leitung von Marco Rissmann) den Ballsaal vibrieren.
Zur Tradition des Wiener Balls gehört es, dass die Veranstaltung noch lang nicht zu Ende ist, wenn das Berliner Tanzorchester seine Instrumente einpackt. In den frühen Morgenstunden ging es nebenan im Wiener Café für die standfesten Gäste mit österreichischen und internationalen Gustostücken weiter. Erst um 4.15 Uhr war der Ball – nach achtstündiger Dauer – zu Ende. Bei vielen Gästen begann genau da die Vorfreude auf den 13. März 2027 – in der Hoffnung, dass sich die internationale Lage bis dahin beruhigt und die politische wie diplomatische Prominenz wieder mehr Zeit für Ballvergnügen hat.
Präsident Werner Götz und Regierungsrat Stefan Hochmuth
Salon Orchester Berlin von Christoph Sanft
Im Vordergrund Werner Götz (Präsident des Auslandsösterreicher-Weltbundes). 1 Reihe: Regierungsrat Stefan Hochmuth mit Gattin, Dr. Irene Ernst (CEO Diplomatisches Magazin), Denis Šakić (Abgeordnetes Wiener Gemeinderat und Landtag), Simona Dvorsak (Int. Büro Stadt Wien), Angelika Götz. 2 Reihe:Dr. Jürgen Em (ehem. Präsident des Auslandsöstrreicher Weltbundes), Brigitte Mannigel, Dr. Thomas Mairinger mit Gattin. 3 Reihe: Vizepräsident Dr. Ekkehard Mannigel, Vizepräsident Josef Labschütz, Anja Böck, Michael Prutsch
Angestoßen wurde auf den 59. Wiener Ball im März 2027