Israel

Yad Vashem, Nova Site, Nir Oz – Orte des Leids. Eine Reise durch Israel

01.03.2026

Die Klagemauer in Jerusalem

Auf einem Hügel am Rande Jerusalems liegt die nationale israelische Gedenk- und Dokumentationsstätte des Holocaust, das weltweit größte Shoah-Archiv Yad Vashem. Auf einem 18 ha großen Areal wird an die sechs Millionen Juden erinnert, die von den Nazis und ihren Unterstützern getötet wurden. Ein Ort, der das geistige und kulturelle Erbe der zerstörten jüdischen Gemeinden zu wahren sucht, der die Kämpfer in den Ghettos ehrt und die Gerechten der Völker.
Einige Autostunden entfernt, im Süden Israels: Das Nova Festival Gelände und der Kibbuz Nir Oz. Seit dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 haben sich auch diese Orte in das kollektive Gedächtnis der Israelis eingebrannt. Eine Reise zu den Zentren des kollektiven Schmerzes.

Yad Vashem

Buch der Namen

Angesichts der Ungeheuerlichkeit der Verbrechen müsste Yad Vashem – eine Zusammensetzung der hebräischen Wörter „Denkmal“ und „Namen“ – vor allem ein trauriger Ort sein. Er ist aber auch ein Ort der Hoffnung: Jedes einzelne der ausgelöschten jüdischen Leben ist wichtig, wird erinnert und rekonstruiert. Mehr als 5 Millionen wurden bislang zusammengetragen, im Buch der Namen sind sie aufgezeichnet. Damit sind diese Menschen nicht mehr anonym. Sie sind nicht vergessen.

Museum zur Geschichte des Holocaust

Neun unterirdisch angelegte Galerien behandeln die Geschichte des Holocaust in Europa. Fotos, Exponate, Dokumente, Augenzeugenberichte, Zeitungsausschnitte, Alltagsgegenstände dokumentieren jüdisches Leben vor dem Holocaust und wie es durch die Nazis und ihre Kollaborateure zerstört wurde. Es ist eine Darstellung aus der Perspektive der Opfer. Um sie zu ehren.

Archive

Eine der zentralen Aufgaben von Yad Vashem ist die Sammlung unterschiedlichster archivischer Materialien: Fotografien, Tagebücher, Zeugenaussagen, persönliche Dokumente und persönliche Gegenstände. Alle Materialien, die in den Archiven eingehen, werden im Zugangsregister verzeichnet. Mithilfe der vergebenen Katalognummer kann das Material auch nach vielen Jahren eindeutig lokalisiert werden. Wenn weitere Informationen oder Artefakte hinzukommen, komplettieren sie gegebenenfalls das Bild der Person bzw. eine Person kann identifiziert werden. Auf diese Weise konnten bis heute 5 Millionen Namen von Holocaust-Opfern zusammengetragen werden.

Denkmal zur Erinnerung an die Deportierten

Auf dem Areal der Gedenkstätte steht auf einer zerstörten Brücke, die ins Nichts führt, ein Original-Viehwaggon der Deutschen Reichsbahn, der von der polnischen Regierung an Yad Vashem übergeben wurde. Er erinnert an die Millionen von Juden, die überall in Europa in Viehwaggons gezwungen und in die Vernichtungslager deportiert wurden. 

Allee „Gerechte unter den Völkern“

In der Allee „Gerechte unter den Völkern“ wurden zu Ehren derjenigen, die Juden retteten, Bäume gepflanzt. Wegen ihres selbstlosen Handelns erhielten sie den Titel „Gerechte unter den Völkern“. Ihre Namen und ihre Herkunftsländer sind auf Tafeln neben den Bäumen angegeben. 

Nova Festival Gelände

Von Yad Vashem in Jerusalem zum ehemaligen Nova Musik Festivalgelände im Süden Israels sind es nur ein paar Autostunden. Das Gelände liegt in ländlicher Umgebung, zwischen Feldern und Wiesen. Auf der Party am 7. Oktober 2023 tanzten rund 3.500 junge Menschen zu elektronischer Musik, als in den frühen Morgenstunden Hunderte Hamas-Terroristen das Gelände stürmten, mehr als 350 Festivalbesucher ermordeten und 44 weitere als Geiseln verschleppten. Viele weitere Menschen wurden verletzt. Es war das schlimmste Massaker an Zivilisten in der Geschichte Israels. 

Das Nova Festival Gelände ist heute ein inoffizieller Gedenkort. Angehörige und Freunde der über 350 Ermordeten haben zu den Fotos der Ermordeten Erinnerungsstücke, Blumen, Steine oder Flaggen gelegt. 

Remo Salman El-Hozayel

Sergeant Remo Salman El-Hozayel, ein beduinisch-israelischer Polizeibeamter, gilt in Israel als Held. Er rettete unzähligen Menschen das Leben, als er während des Hamas-Angriffs auf das Nova Music Festival immer wieder Menschen unter Lebensgefahr aus der Gefahrenzone brachte. Über dreißig Mal fuhr er mit dem Auto zurück zum Festivalgelände und konnte so über 200 Menschen vor den tödlichen Attacken der Hamas in Sicherheit bringen. Ganz Israel kennt die unglaubliche Geschichte von Sergeant Remo Salman El-Hozayel. 
Hier schildert er einer Besuchergruppe die lebensgefährliche Rettungsaktion am 7. Oktober 2023.   

Kibbutz Nir Oz

Der Kibbutz Nir Oz im Süden Israels ist eine kleine landwirtschaftliche Community. Am Horizont hinter den Feldern: die Grenze zu Gaza

Von der Hamas niedergebrannte Häuser im Kibbutz Nir Oz

Eine Bewohnerin von Nir Oz vor der Tafel mit Fotos und Namen von Ermordeten und Verschleppten, die in diesem Kibbutz gelebt haben.


Text Marie Wildermann

Der Bericht entstand im Rahmen einer Pressereise des Freundeskreises Yad Vashem, dem wir für die Organisation und Unterstützung danken.